Pyramide · Stufe 02

Früherkennung

Atherosklerose, Krebs und neurodegenerative Erkrankungen entwickeln sich häufig über viele Jahre, bevor sie klinisch sichtbar werden. Früherkennung setzt an, bevor Symptome auftreten.

Woran Menschen sterben

Die meisten Todesfälle werden durch wenige Krankheitsgruppen verursacht.

Todesursachen nach Altersgruppe · Schweiz

Woran Menschen in der Schweiz sterben.iQuelle: Bundesamt für Statistik (BFS), Todesursachenstatistik Schweiz, gerundete Anteile pro Altersgruppe. Reihenfolge und Grössenordnung sind belastbar, exakte Prozentwerte variieren je nach Jahr und Klassifikation.

100%75%50%25%0%
25–3435–4445–5455–6465–7475–8485+Alle
Herz-Kreislauf (ASCVD)
Krebs
Neurodegeneration & Demenz
Unfälle & Suizid
Chronische Lungenerkrankungen
Andere Ursachen

Warum Früherkennung wichtig ist

Je früher ein Risiko erkannt wird, desto mehr Handlungsoptionen bestehen.

VO₂max · Gesamtmortalität

tiefere Mortalität

Quelle & Details

Im obersten VO₂max-Quartil rund fünffach geringere Gesamtsterblichkeit über mehr als ein Jahrzehnt verglichen mit dem untersten Quartil [Mandsager et al., JAMA Network Open, 2018].

Herz-Kreislauf · Erstereignisse

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Herzinfarkten tritt bei Menschen auf, die zuvor nicht als Hochrisikopatienten galten.

Quelle & Details

Etwa die Hälfte aller Herzinfarkte trifft Menschen, die mit klassischen Risikoscores als niedrig oder mittel eingestuft werden. ApoB, Lp(a) und der CAC-Score schärfen dieses Bild deutlich.

Onkologie · Krebs & Vorsorge

0 %

der Krebserkrankungen, die durch traditionelle Vorsorge entdeckt werden.

Quelle & Details

Anteil der Krebserkrankungen, die durch traditionelle Vorsorge entdeckt werden. Quellen: Centers for Disease Control and Prevention; NORC an der University of Chicago (2022).

Krankheitsverlauf

Die meisten chronischen Erkrankungen entwickeln sich schrittweise über viele Jahre.

Biomarker und Bildgebung verschieben den Erkennungszeitpunkt nach links, bevor Symptome auftreten.

← früh · maximale Prävention
spät · nur noch Schadensbegrenzung →
  • Gesund
  • Frühe Veränderungen
  • Biomarker
  • Strukturelle Veränderungen
  • Symptome
  • Erkrankung

Screening-Plan

Welche Screenings sind in deinem Alter sinnvoll?

Eine Orientierungsliste, keine ärztliche Empfehlung. Was am sinnvollsten ist, hängt von Familienanamnese und Vorbefunden ab.

Biologisches Geschlecht
  • Lp(a) einmaligeinmal im Leben
  • ApoB, LDL, HDL, Triglyzeridejährlich
  • Nüchtern-Insulin + HbA1calle 1–2 Jahre
  • Blutdruck-24h-Messungalle 3–5 Jahre
  • Hautkrebs-Vorsorge (Dermatologie)jährlich
  • Coronary Calcium Score (CAC)alle 5 Jahre
  • Koloskopiealle 10 Jahre
  • Mammographiealle 2 Jahre
  • Ganzkörper-MRT (Prävention)alle 3–5 Jahre

Die Anzahl der empfohlenen Untersuchungen basiert auf allgemeinen Vorsorgeempfehlungen und kann je nach Risikofaktoren, Vorerkrankungen und Lebensstil variieren.

Häufig gestellte Fragen

  • Was bedeutet Früherkennung – und was ist der Unterschied zu Vorsorge?
    Früherkennung (Sekundärprävention, im Englischen ‚screening‘) bezeichnet die systematische Suche nach Krankheitszeichen, bevor Symptome auftreten. Vorsorge im engeren Sinn (Primärprävention) zielt dagegen darauf ab, eine Krankheit von vornherein zu verhindern, etwa durch Impfungen oder Lebensstilmassnahmen. In der Schweizer Alltagssprache und auch bei den Krankenkassen werden beide Begriffe oft synonym verwendet – eine Mammographie wird meist ‚Vorsorgeuntersuchung‘ genannt, ist im engeren Sinn aber eine Früherkennungsmassnahme, weil sie nach bereits vorhandenen, aber noch unbemerkten Veränderungen sucht. Auf longevity-guide.ch baut Stufe 02 (Früherkennung) direkt auf dem persönlichen Risikoprofil aus Stufe 01 auf: Welches Screening für dich sinnvoll ist, hängt davon ab, welches Risiko dort als dominant identifiziert wurde.
  • Welche Vorsorgeuntersuchungen sind in der Schweiz aktuell empfohlen?
    Drei Untersuchungen sind am breitesten abgestützt und werden von der Grundversicherung übernommen: der Pap-Abstrich zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung alle drei Jahre, Stuhltest oder Darmspiegelung zur Darmkrebs-Früherkennung zwischen 50 und 69 Jahren, und in vielen Kantonen ein organisiertes Mammographie-Screening für Frauen zwischen 50 und 74 Jahren. Hinzu kommen risikoabhängige Empfehlungen, die individuell mit dem Hausarzt besprochen werden sollten statt pauschal zu gelten: der PSA-Test bei Männern (in der Fachwelt kontrovers diskutiert, meist im Bereich 50 bis 69 Jahre), Blutdruck- und Cholesterinkontrollen ab dem mittleren Erwachsenenalter, sowie eine Hautkontrolle bei familiärer Vorbelastung oder auffälligen Muttermalen. Die Schweiz hat kein einziges nationales Screening-Programm wie manche Nachbarländer; stattdessen orientieren sich Hausärzte an Programmen wie EviPrev, einer Plattform für evidenzbasierte klinische Prävention.
  • Was sind die wichtigsten Früherkennungsmassnahmen für Erwachsene?
    Für die Mehrheit der Erwachsenen ohne bekannte Risikofaktoren stehen kardiovaskuläre Werte (Blutdruck, Cholesterin), die altersgerechten Krebs-Screenings (Darm, bei Frauen Gebärmutterhals und Brust, bei Männern gegebenenfalls Prostata) und ab 50 eine Hautkontrolle im Vordergrund. Wer über das allgemeine Screening hinausgehen will, sollte das tun, weil das eigene Risikoprofil es nahelegt, nicht weil mehr Tests grundsätzlich besser wären – das ist genau der Punkt, an dem Stufe 01 (Risikoprofil) ansetzt, bevor du zu Stufe 02 weitergehst.
  • Übernimmt die Grundversicherung die Kosten für Früherkennungsuntersuchungen?
    Ja, aber nur für gesetzlich definierte Untersuchungen in festgelegten Alters- und Zeitabständen: gynäkologischer Krebsabstrich alle drei Jahre, Darmkrebs-Screening zwischen 50 und 69 Jahren, sowie Mammographie im Rahmen kantonaler Programme oder bei erhöhtem Risiko. Allgemeine Gesundheits-Check-ups ohne konkrete medizinische Indikation gehören nicht zum Pflichtleistungskatalog – dafür braucht es entweder eine Zusatzversicherung oder eine Selbstzahlung. Auch die Hautkrebs-Früherkennung wird von der Grundversicherung nur bei erhöhtem Risiko oder konkretem Verdacht übernommen, nicht als allgemeine Routinekontrolle.
  • Welche digitalen Lösungen, Apps und Geräte zur Früherkennung gibt es in der Schweiz?
    Auf der Geräteseite ist Roche Diagnostics aus Basel ein international führender Anbieter von Labordiagnostik-Systemen, die in Spitälern und Praxen für Früherkennungstests eingesetzt werden – allerdings als klinische Infrastruktur, nicht als Consumer-Gadget. Auf der App-Seite bieten mehrere Krankenkassen eigene digitale Vorsorge-Checks an, die basierend auf Alter, Geschlecht und Risikofaktoren anzeigen, welche Untersuchung aktuell sinnvoll wäre. Solche Apps ersetzen die Untersuchung selbst nicht, sondern helfen vor allem dabei, sie nicht zu verpassen und richtig zu terminieren.
  • Wie funktionieren Online-Dienste zur Früherkennung von Krebs?
    Reine Online-Dienste können Krebs nicht direkt ‚früherkennen‘ – sie übernehmen entweder die Risikoeinschätzung anhand von Familienanamnese und Lebensstil, oder die Organisation und Erinnerung an reguläre Screenings, die physisch erfolgen müssen (Abstrich, Mammographie, Darmspiegelung). Eine Ausnahme sind Heimtests, die du selbst durchführst und einschickst, etwa der Stuhltest auf okkultes Blut zur Darmkrebs-Früherkennung – das Ergebnis wird aber weiterhin im Labor ausgewertet, nicht von einer App. Bei Hautveränderungen können foto-basierte Dienste eine erste Einschätzung geben, ersetzen aber die fachärztliche Dermatoskopie nicht.
  • Gibt es Telemedizin-Plattformen in der Schweiz, die bei der Früherkennung unterstützen?
    Ja – santé24 (der Telemedizinanbieter von SWICA) und Medgate, die beiden grössten Schweizer Telemedizinanbieter, beraten unter anderem dazu, welche Vorsorgeuntersuchungen für dich altersgerecht sinnvoll sind, und überweisen bei Bedarf an die passende Fachperson. Ihre Rolle ist Triage und Beratung, nicht die Untersuchung selbst: Medgate, 1999 gegründet und mittlerweile das grösste ärztliche Telemedizinzentrum Europas, übernimmt in mehreren Kantonen den ärztlichen Notfalldienst und damit auch die erste Einschätzung, ob ein Befund dringend abgeklärt werden muss. Für die eigentliche Früherkennungsuntersuchung – Blutentnahme, Mammographie, Darmspiegelung – brauchst du weiterhin einen Termin vor Ort.
  • Wo finde ich Anbieter für genetische Früherkennungstests oder spezialisierte Krebs-Früherkennungszentren?
    Genetische Beratung und Tests, etwa auf BRCA1/BRCA2 bei familiärer Brustkrebs-Vorbelastung, bieten in der Schweiz vor allem die genetischen Beratungsstellen der Universitätsspitäler an, meist nach Überweisung durch den Hausarzt oder Gynäkologen. Für die Brustkrebs-Früherkennung speziell gibt es in mehreren Kantonen zertifizierte Brustzentren und organisierte Mammographie-Screening-Programme; welche das in deinem Kanton sind, erfährst du über die kantonale Gesundheitsdirektion oder deine Krankenkasse. Eine seriöse ‚Suche in der Nähe‘ lässt sich nur über diese offiziellen Stellen abbilden, nicht über eine allgemeine Empfehlung.
  • Ist Früherkennung immer sinnvoll – wo liegen Grenzen und Risiken?
    Nein – jedes Screening hat neben dem Nutzen auch Risiken wie Überdiagnose, falsch-positive Befunde und unnötige Folgeuntersuchungen, weshalb nicht jede mögliche Früherkennungsmassnahme automatisch empfohlen wird. Das Hautkrebs-Screening ist ein gutes Beispiel für diese Debatte: Bei Personen ohne erhöhtes Risiko wird es in der Schweiz von der Grundversicherung bewusst nicht übernommen, weil die Evidenz für einen Nutzen in der Breite begrenzt ist und das Risiko von Überdiagnosen real ist. Auch beim PSA-Test für Prostatakrebs gilt: Die Entscheidung sollte individuell mit dem Arzt abgewogen werden, nicht pauschal getroffen werden. Genau dieser nüchterne Blick auf Nutzen und Grenzen ist der Grund, warum das Risikoprofil aus Stufe 01 vor der Früherkennung steht: Es hilft, Screening gezielt einzusetzen statt wahllos.
  • Wie erkenne ich mein Schlaganfallrisiko frühzeitig?
    Das Schlaganfallrisiko lässt sich nicht direkt ‚screenen‘ wie Krebs, sondern über die zugrunde liegenden kardiovaskulären Risikofaktoren abschätzen – Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Cholesterin und Diabetes sind die wichtigsten beeinflussbaren Treiber. Dieselben Tools, die für das kardiovaskuläre Risikoprofil in Stufe 01 verwendet werden (SCORE2, AGLA-Risikorechner), geben daher auch indirekt Auskunft über das Schlaganfallrisiko, weil Herzinfarkt und Schlaganfall grösstenteils dieselbe Gefässpathologie teilen. Ein unregelmässiger Puls beim Blutdruckmessen kann zudem ein erster Hinweis auf Vorhofflimmern sein, eine der wichtigsten, oft unbemerkten Schlaganfall-Ursachen – ein einfaches EKG beim Hausarzt kann das abklären.