Pyramide · Stufe 01
Risikoprofil
Bevor optimiert wird, wird gemessen. Ein klarer Pfad vom günstigsten Hinweis bis zur ärztlichen Begleitung, in einer Reihenfolge, die sich an der statistischen Realität orientiert.
Woran Menschen sterben
Vier Ursachen erklären den Grossteil.
Prävention lohnt sich dort, wo wirklich gestorben wird. In der Schweiz gehen mehr als zwei Drittel aller Todesfälle auf wenige chronische Krankheiten zurück, die sich über Jahrzehnte aufbauen und deshalb früh angegangen werden können.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
27%
Krebs
Krebs
24%
Demenz & Alzheimer
Demenz & Alzheimer
8%
Atemwegserkrankungen
Atemwegserkrankungen
6%
Unfälle & Suizid
Unfälle & Suizid
5%
Diabetes
Diabetes
3%
Sonstige
Sonstige
27%
Bundesamt für Statistik (BFS), Todesursachenstatistik Schweiz, jüngster verfügbarer Jahrgang. Werte gerundet, übrige Ursachen unter sonstige zusammengefasst.
Familiengeschichte
Woran sind deine Grosseltern gestorben?
Ein guter Ausgangspunkt für die persönliche Risikoeinschätzung ist die Familiengeschichte.
Woran sind Eltern, Grosseltern oder Geschwister erkrankt oder gestorben? Gab es Herzinfarkte, Schlaganfälle, Krebs, Diabetes oder Demenz? Und in welchem Alter traten diese Erkrankungen auf?
Frühe Erkrankungsfälle können auf ein erhöhtes persönliches Risiko hinweisen. Die Familiengeschichte ersetzt keine Diagnostik, hilft jedoch dabei, sinnvolle Untersuchungen und Blutwerte gezielt zu priorisieren und die Früherkennung individueller auszurichten.
Arbeitsblatt
Familienanamnese: Die richtigen Fragen für das Gespräch mit deiner Familie.
Lade die Vorlage kostenlos herunter oder öffne sie direkt im Browser. Das Arbeitsblatt hilft dir, relevante Erkrankungen, Todesursachen und das Erkrankungsalter von Eltern, Grosseltern und Geschwistern strukturiert zu erfassen.
Bestehende Daten zusammentragen
Was bereits vorhanden ist.
Viele wichtige Gesundheitsdaten existieren bereits.
Einzelne Befunde zeigen eine Momentaufnahme. Mehrere Jahre an Blutwerten und Untersuchungen zeigen Entwicklungen, Trends und Veränderungen. Genau diese Verläufe sind für Prävention und Früherkennung oft besonders wertvoll.
Laborwerte
Frühere Blutwerte
Fordere Laborwerte der letzten Jahre an und lege sie chronologisch ab. Oft sind Veränderungen über die Zeit aussagekräftiger als einzelne Messungen.
Bildgebung
Befunde sichern
Bewahre frühere MRI-, CT-, Ultraschall- und andere Befunde zusammen mit den Originalbildern auf. Sie dienen als Vergleich für zukünftige Untersuchungen.
Digitale Ablage
Alles an einem Ort
Speichere Befunde strukturiert nach Jahr und Untersuchungsart. So bleiben Entwicklungen nachvollziehbar.
Eigene Baseline
Welche Werte am Anfang sinnvoll sind.
Eine Baseline schafft den Ausgangspunkt für spätere Vergleiche.
Einzelne Blutwerte liefern eine Momentaufnahme. Werden dieselben Marker über Jahre hinweg verfolgt, lassen sich Trends, Risiken und die Wirkung von Lebensstilveränderungen deutlich besser erkennen. Genau deshalb sind Ausgangswerte so wertvoll.
Wichtige Marker sind unter anderem ApoB, Lp(a), HbA1c, Nüchterninsulin, hs-CRP, Ferritin, Vitamin D und der Omega-3-Index.
Praktische Übersicht
Die wichtigsten Blutwerte auf einen Blick.
Referenzliste mit relevanten Biomarkern, Einheiten und Zielbereichen für den nächsten Bluttest.
Bluttest ohne Arzttermin
Walk-in-Labore in der Schweiz.
Viele Labore bieten Bluttests ohne Überweisung an. Die Resultate erhältst du meist innerhalb weniger Tage digital.
Karte wird geladen …
Kartendaten: © OpenStreetMap-Mitwirkende. Die Auswahl der Standorte ist nicht vollständig und stellt keine Empfehlung eines bestimmten Anbieters dar.
Ärztliche Begleitung
Werte richtig einordnen.
Referenzbereiche zeigen, was in einer Bevölkerung als statistisch üblich gilt. Sie beantworten jedoch nicht immer die Frage, welcher Wert für eine bestimmte Person optimal ist. Alter, Familiengeschichte, Vorerkrankungen, Medikamente und individuelle Risikofaktoren können die Einordnung wesentlich verändern.
Ein präventionsorientierter Arzt hilft dabei, Befunde im persönlichen Kontext zu bewerten, Entwicklungen über die Zeit zu verfolgen und Prioritäten für Prävention und Früherkennung festzulegen.
Deshalb sind nicht nur die gemessenen Werte entscheidend, sondern auch die Frage, was sie für die eigene Situation bedeuten.
Hinweis: Die Inhalte dieser Website dienen ausschliesslich der allgemeinen Information und Weiterbildung. Sie stellen keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar und können die individuelle Beurteilung durch eine qualifizierte medizinische Fachperson nicht ersetzen. Gesundheitsbezogene Entscheidungen sollten stets auf Grundlage der persönlichen Situation und in Absprache mit einem Arzt oder einer anderen entsprechend qualifizierten Fachperson getroffen werden.
Risiko-Quickcheck
Wie viele kardiovaskuläre Risikofaktoren tragen dich gerade?
Kein Diagnose-Tool, sondern ein Anstoss. Schon 1 bis 2 modifizierbare Faktoren rechtfertigen den Schritt zu strukturierter Diagnostik.
- Verwandter ersten Grades hatte Herzinfarkt vor 60 / Schlaganfall vor 65
- Aktuell oder bis vor < 10 Jahren regelmässig geraucht
- LDL-Cholesterin nie unter 3,0 mmol/L gemessen
- Blutdruck in Ruhe wiederholt über 135/85
- Weniger als 150 Min. moderate Bewegung pro Woche
0 von 5 Faktoren · Einordnung: Niedrig. Solides Fundament. Lp(a) einmal messen, dann jährliche Basisdiagnostik.
Nächster Schritt
Weiter zur Früherkennung
Stufe 02 zeigt, mit welchen bildgebenden und Labor-Verfahren sich Krankheiten Jahre vor der Diagnose sehen lassen.
Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich online mein persönliches Risikoprofil erstellen?
Kurzantwort: Ein vollständiges gesundheitliches Risikoprofil lässt sich nicht allein online erstellen – validierte Rechner wie SCORE2 oder der Schweizer AGLA-Risikorechner geben eine erste, evidenzbasierte Einschätzung für das Herz-Kreislauf-Risiko, ein vollständiges Profil braucht aber zusätzlich aktuelle Blutwerte und die Familienanamnese.
Die Online-Rechner setzen voraus, dass du deine aktuellen Cholesterin- und Blutdruckwerte zur Hand hast – ohne diese Werte ist auch der beste Online-Rechner nur eine grobe Schätzung. Für ein Profil, das über das Herz-Kreislauf-Risiko hinaus auch metabolische, onkologische und neurodegenerative Risiken abdeckt, braucht es ein Laborpanel und idealerweise ein ärztliches Gespräch zur Einordnung der Familienanamnese.
Welche digitalen Tools helfen bei der Analyse meines Risikoprofils?
Kurzantwort: Für die gesundheitliche Risikoanalyse sind das vor allem klinisch validierte Rechner wie SCORE2 (Herz-Kreislauf) oder FINDRISC (Diabetes-Risiko) – im Unterschied zu Consumer-Wellness-Apps mit „Health Score", denen meist die zugrunde liegende Validierungsstudie fehlt.
Der Unterschied liegt in der Kalibrierung: SCORE2 wurde an grossen europäischen Kohorten kalibriert und 2021 im European Heart Journal aktualisiert publiziert. FINDRISC, der finnische Diabetes-Risiko-Fragebogen, ist seit den frühen 2000er-Jahren international validiert im Einsatz. Wearable-gestützte „biologisches Alter"-Schätzungen sind als Ergänzung interessant, ersetzen aber keinen klinisch validierten Score, weil sie meist auf Trainingsdaten statt auf klinischen Endpunkten beruhen.
Wie ermittle ich mein persönliches Risikoprofil?
Kurzantwort: In drei Schritten: Familienanamnese (welche Krankheiten kamen bei Eltern und Grosseltern vor 65 auf?), aktuelle Biomarker aus einem Blutbild, und eine ehrliche Erfassung der Lebensstil-Faktoren – erst die Kombination aller drei ergibt ein belastbares gesundheitliches Risikoprofil.
Familienanamnese allein erklärt einen relevanten, aber begrenzten Teil des Risikos; Lebensstil-Faktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel oder Ernährung verschieben das Bild oft erheblich. Stufe 01 der Pyramide auf longevity-guide.ch geht genau diesen Dreischritt durch und ordnet das Ergebnis den grossen Risikokategorien zu, die in Stufe 02 (Früherkennung) über die Screening-Priorität entscheiden.
Online-Tools zur Bestimmung des Risikoprofils in der Schweiz
Kurzantwort: Die Arbeitsgruppe Lipide und Atherosklerose (AGLA) der Schweizerischen Gesellschaft für Kardiologie betreibt unter agla.ch sowohl den AGLA-Risikorechner für 20- bis 69-Jährige als auch den europäischen SCORE2/SCORE2-OP-Rechner für ältere Personen – beide sind in der Schweizer Hausarztpraxis etabliert.
Das ist relevant, weil rein europäische Durchschnittsrechner die Schweiz zwar in eine Niedrigrisiko-Region einordnen, der AGLA-Rechner aber zusätzlich auf Daten aus Schweizer Kohorten kalibriert ist. Für andere Risikokategorien – Diabetes, Knochendichte, kognitive Risiken – existiert kein vergleichbar etabliertes Schweizer Pendant; hier kommen internationale validierte Scores wie FINDRISC zum Einsatz.
Wie funktioniert ein Risikoprofil-Assessment bei Versicherungen?
Kurzantwort: Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherer erheben bei Vertragsabschluss ein gesundheitliches Risikoprofil über Gesundheitsfragebogen und – ab einer gewissen Versicherungssumme – eine ärztliche Untersuchung mit Blutwerten, um dich in eine Risikoklasse einzustufen. Das Ziel ist die Prämienkalkulation, nicht die Prävention – die erhobenen Werte sind aber dieselben, die auch für ein gesundheitsorientiertes Risikoprofil zählen.
Konkret prüfen Versicherer typischerweise Cholesterin- und Blutdruckwerte, BMI, Raucherstatus und teils Vorerkrankungen in der Familie – also denselben Kern, den auch SCORE2 oder der AGLA-Rechner abfragen. Der entscheidende Unterschied: Eine Versicherung teilt dir nur die Risikoklasse mit, nicht die zugrunde liegenden Werte oder eine Handlungsempfehlung. Wer aus diesem Prozess tatsächlich etwas für die eigene Gesundheit lernen will, bekommt mit einem eigenständigen Risikoprofil-Check mehr – nämlich, welcher Wert konkret das Risiko treibt und was sich daran ändern lässt.
Wo finde ich eine App zur schnellen Einschätzung meines Risikoprofils?
Kurzantwort: Die etablierten, klinisch validierten Risikorechner für die Gesundheit (SCORE2, AGLA, FINDRISC) sind als Web-Tools der jeweiligen Fachgesellschaft verfügbar, nicht als eigenständige Consumer-App – weil die Validierung an die konkrete Berechnungsformel gebunden ist, nicht an eine App-Oberfläche.
Reine Lifestyle-Apps mit „Health Score" liefern eine schnelle, aber unvalidierte Schätzung auf Basis von Aktivität, Schlaf und Selbstangaben – nützlich als Einstieg, aber kein Ersatz für ein laborbasiertes Risikoprofil. Wer schnell eine grobe Orientierung will, kann mit den Blutwerten der letzten Hausarzt-Kontrolle den SCORE2- oder AGLA-Rechner online in wenigen Minuten ausfüllen.